Astrologie

Das Ziel der Seite ist es, die traditionelle Astrologie, wie sie bis in die Renaissance hinein praktiziert wurde, vorzustellen, Das schließt natürlich alle vorangegangenen traditionellen Richtungen ein, da die Renaissanceastrologie auf der Astrologiegeschichte aufbaut und – wie jede Tradition – an Bewährtem festhält, aber auch erneuert. Dabei ist sicherlich nicht alles „besser“, aber etwas „anders“ geworden – auch wenn es eine fließende historische Entwicklung war, denn Geanken, Ideen und Konzepte entwickeln sich manchmal langsamer und manchmal schneller.

Die Renaissance umfaßt einen Zeitraum von ca. 2 Jahrhunderten – von ca. 1400 – ca. 1600 (in England noch etwas länger). Es ist die erste Epoche nach dem Mittelalter. Renaissance bedeutet „Wiedergeburt“ und ist der erste Schritt der Freisetzung und Mündigkeit des Menschen – das, was wir heute „Individualisierung“ nennen würden.

Die Wiedergeburt bezieht sich auf die klassische Antike. Ideen wie Humanismus und Freiheit entstehen ebenso wie die Abgrenzung vom Mittelalter. Bedeutende Erfindungen wie der Buchdruck, Räderuhren oder Globen verändern die Welt nachhaltig: zwar ist es noch ein weiter Weg bis zur allgemeinen Schulpflicht, der Buchdruck ermöglicht jedoch die massenhafte Verbreitung von Wissen. Martin LUTHER stellt die Allmacht der katholischen Kirche in Frage. Nicolaus KOPERNIKUS stellt fest, dass sich die Erde um die Sonne dreht, …

Mit dem Niedergang der traditionellen Astrologie in der Neuzeit des 18. und 19. Jahrhunderts lösen sich Astrologen größtenteils von ihrer Geschichte. Mit der Theosophie und anderer Richtungen halten mystisch-spirituelle Themen Einzug in die Astrologie. Mit den Zeitungshoroskopen, die es bis heute gibt und nur das Sonnenzeichen berücksichtigen, das auf 1/12 der Menschheit zutrifft, wird die Astrologie zur Verdummung der Menschen missbraucht.

Die Psychologische Astrologie versucht, die beiden Themen zusammenzubringen, dabei bleiben jedoch viele alte Konzepte auf der Strecke, Vereinfachungen finden statt sowie ein Menschenbild, das rein von der Psychologie dominiert ist: „Schicksal“ wird als „Chance“, als „Lernmöglichkeit“ usw. umdefiniert, die Methoden stark vereinfacht, die Inhalte teilweise völlig verfälscht (z. B. die Häuserthemen) – nur um in das „aufgeklärte“ System der psychologischen Wissenschaft zu passen.

In den 1980er jahren setzt – ausgehend vom englischen Sprachraum – die „Renaissance der Renaissanceastrologie“ ein, die schnell auch die Astrologie vor der Renaissance umfaßt. Mit der Wiederveröffentlichung von „Christian Astrology“ des englischen Renaissanceastrologen William LILLY (1602 – 1681) nimmt das Interesse, die Rezeption und die Erforschung alter Quellen deutlich zu – wenn auch vor allem im englischsprachigen Raum.

Gute Englischkenntnisse sind hier von Vorteil, denn es gibt nicht so viele Übersetzungen ins Deutsche (mit Ausnahme von LILLY und einigen anderen Werken). Diese Seite möchte dazu beitragen, die Ideen, die Methoden und das Verständnis für die Zeit zu wecken und neugierig zu werden.

Das Wissen über eine bestimmte Zeit, über den Lebenslauf eines Menschen, usw. hilft uns enorm, Motivationen, Handlungsweisen und Ziele zu erkennen.

Nehmen wir als Beispiel „Schicksal“ und „freier Wille“: der freie Wille ist solange prima, solange es uns gut geht, wir leistungsfähig sind und Dinge, die uns wichtig sind, gelingen. Das haben wir immer „aus eigener Kraft“ geschafft. Wir steuern unser Leben, wir sind verantwortlich für unsere Handlungen – im Positiven wie im Negativen. Wir haben unseren Job bekommen, weil wir uns gegen die anderen Bewerber „durchgesetzt“ haben, wir haben Projekte „optimal“ durchgezogen, usw.

Umgekehrt wird es ein Problem: wenn wir krank werden, wenn wir entlassen werden, wenn unsere Beziehung nicht mehr funktioniert, … dann sind wir – nach dieser Definition – Versager. Wir haben verloren. Wir haben es nicht mehr in der Hand – denn wenn wir uns nur genügend angestrengt hätten … dann hätten wir unseren Job nicht verloren, wir hätten die Projekte besser organisieren und durchführen können und wir hätten uns in der Beziehung einfach mehr anstrengen sollen – oder nicht?

Oder gibt es vielleicht doch das, was wir „Schicksal“ nennen, was sich im Leben nicht kontrollieren läßt? Der Autounfall, wo wir im Rollstuhl landen? Die Entlassung mit 55? Vielleicht ist doch nicht alles nur freier Wille?